Vorbei sind die Zeiten, in denen winzige Handy-Displays höchstens abgespeckte WAP Seiten aufriefen. Handys von heute stellen auf ihren immer größeren Monitoren komplette Internetseiten dar. Die Verbindungen erreichen mit UMTS und HSDPA oft schon DSL Geschwindigkeit. Und jetzt steht der Sprung in die Web 2.0 Technologie unmittelbar bevor.
Getmobile News, 4.9.2008
Zur Jahrtausendwende waren die ersten Internet Handys eine Sensation. Ihre WAP Browser riefen tatsächlich Online-Inhalte ab. Immer mehr Dienste im Web stellten sich darauf ein und boten ihre Inhalte mit wenigen Kilobyte Volumen je Seite in der schlankeren WAP-Form an. Die Sportnachrichten, der Wetterbericht, die Bahnfahrpläne – alles ließ sich sekundenschnell per WAP oder später WAP 2.0 aufs Handy holen. Und mit den steigenden Verkaufszahlen der WAP Handys wuchs der Druck auf weitere Anbieter, ihre Angebote wie Mailserver oder Online-Banking ebenfalls in der meist rein textlichen WAP Variante anzubieten.
UMTS und HSDPA bringen WAP zur Strecke
Vollständige Websites mit Bildern oder Animationen zu laden, dauert mit der herkömmlichen GSM-Netz-Technologie freilich auch extrem lange. Wer etwa ein GPRS oder EDGE Handy besitzt, dessen Browser nicht nur WAP, sondern auch komplette, bebilderte Websites darstellen kann, wartet bisweilen minutenlang, bis sich das Ganze aufgebaut hat und angezeigt wird. Erst die neue Generation der Handynetze machte dem Internet auf dem Telefon so richtig Beine. Handys, die im UMTS Netz arbeiten, steht die ganze Online-Welt offen. Mit HSDPA oder HSUPA Technik ausgerüstet, laden solche Handys die Webangebote wie auch Musikdateien oder Bilder in einem Tempo herunter, das manche DSL-Anschlüsse in den Schatten stellt.
Mobile Widget Runtime: Das Web 2.0 fürs Handy
Der nächste Schritt in die mobile Online-Welt heißt Web 2.0 auf dem Handy. Sprich, die interaktive Verknüpfung verschiedener Techniken, in diesem Fall der Telefonfunktionen mit dem Internet. Im Rahmen der Internationalen Funkausstellung 2008 in Berlin (IFA) stellte das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) einen Web 2.0 Browser für Handys auf Java2ME-Basis vor. Sein Name lautet Mobile Widget Runtime. Dieses System ist in der Lage, etwa Telefon und GPS Anwendungen miteinander zu verbinden. Damit seinen Dienste wie mobiles Carsharing oder ortsbezogene digitale Notizzetteln als Anwendungen möglich, nennt FOKUS als Beispiele. Zurzeit arbeitet das Institut an einer Bluetooth-Unterstützung des Mobile Widget Runtime Browsers. Per Bluetooth ließen sich beispielsweise mehrere Geräte zu einem lokalen Netzwerk zusammenschließen, ohne teure Onlineverbindungen eingehen zu müssen. Auch über Chat, Instant Messaging und MMS via Bluetooth denken die Experten nach.
Web 2.0 auf Handys: Bald lokale Netzwerke ohne Online-Kosten
So offen wie die Möglichkeiten des Web 2.0, so unendlich scheinen auch die Anwendungen fürs Handy. Den Erschaffern neuer mobiler Internetdienste sind keine Grenzen gesetzt. Wie, wann und in welcher Form sich das Mobile Widget Runtime jedoch letztlich auf dem Handy Markt durchsetze, hänge von der Nachfrage ab, so FOKUS. Es sei Möglich, dass das System in einer Grundform schon bald etwa als Freeware angeboten wird. Spezialisierte Anwendungen blieben aber wahrscheinlich den Handyherstellern oder Mobilfunk-Netzbetreibern per Lizenz vorbehalten (Quelle: www.fokus.fraunhofer.de).

